Mehr als zwei von fünf Euro, die im ersten Halbjahr 2026 in deutsche Immobilien flossen, stammten von Investoren aus dem Ausland. BNP Paribas Real Estate beziffert ihren Anteil in der Halbjahresanalyse vom Juli auf 44 Prozent, bei einem Gesamtvolumen von rund 16,6 Milliarden Euro und einem Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gewerbliche Investments legten um 8 Prozent auf fast 12,3 Milliarden Euro zu, wobei sich die Dynamik nach einem kräftigen ersten Quartal mit rund 6,9 Milliarden Euro im zweiten Quartal auf 5,4 Milliarden Euro abschwächte. Gegen Ende des Halbjahres zog sie wieder an. Das Beratungshaus zählte gut 700 Verkäufe, so viele wie in keinem ersten Halbjahr seit 2022. CBRE kommt in seiner eigenen Auswertung auf 16,2 Milliarden Euro und ein Plus von 13 Prozent. BNP Paribas Real Estate beschreibt das Gesamtbild als Seitwärtsbewegung, CBRE als graduelle Erholung. München führte die Standorte an. Dort flossen gut 1,2 Milliarden Euro, 35 Prozent mehr als im Vorjahr.
Der Anteil ausländischer Käufer entsprach damit dem Vorjahresniveau und dem langjährigen Durchschnitt. Büro- und Einzelhandelsinvestments lagen jeweils zu rund 80 Prozent in der Hand inländischer Käufer, während ausländische Investoren in der Logistik auf 75 Prozent und im Gesundheitssegment sogar auf 87 Prozent kamen.
Ausländisches Kapital wählt seine Segmente
Gesundheitsimmobilien erreichten ein Volumen von 1,6 Milliarden Euro und legten um 71 Prozent zu. In der Logistik flossen knapp 2,5 Milliarden Euro, rund 10 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im zweiten Quartal zog das Geschäft dort mit fast 70 Abschlüssen allerdings wieder an. Im Gesundheitssegment entfielen rund 80 Prozent des Volumens auf Portfolios. Solche Pakete binden große Beträge in einem Schritt und eignen sich nicht für jeden Käufer. Ohne die ausländischen Käufer wäre der Zuwachs im Gesundheitssegment kaum denkbar gewesen.
Büroinvestments stiegen um 19 Prozent auf knapp 3,2 Milliarden Euro und blieben die stärkste gewerbliche Nutzungsart, getragen vor allem von deutschen Käufern. Internationale Anleger kauften hier nicht in nennenswertem Umfang. Im Wohnsegment, mit rund 4,4 Milliarden Euro weiterhin die umsatzstärkste Nutzungsart, sank das Volumen dagegen leicht um knapp 3 Prozent. Einzeltransaktionen kamen auf rund 9,2 Milliarden Euro und damit auf drei Viertel des gewerblichen Volumens.
Mitteleuropa investiert in beide Richtungen
Kapital aus Mittel- und Osteuropa gewann im ersten Halbjahr 2026 auch in den Heimatmärkten an Gewicht, wie eine Auswertung des Colliers-Berichts zeigt. Tschechische Investoren setzten in den sechs untersuchten Ländern rund 1,9 Milliarden Euro ein, ungarische rund 700 Millionen Euro. Die sechs Märkte kamen zusammen auf ein Volumen von 5,8 Milliarden Euro. Polen erzielte mit mehr als 3 Milliarden Euro sein stärkstes erstes Halbjahr seit 2018. Die Kreditgeber in der Region blieben nach Einschätzung von Colliers allerdings wählerisch und finanzierten nicht jedes Vorhaben. Sie bevorzugten Objekte mit stabilen Erträgen, solider Eigentümerstruktur und klarer Nachhaltigkeitsstrategie.
Investoren aus Mittel- und Osteuropa übernahmen in den vergangenen zwei Jahren mehrere deutsche Einkaufszentren, wie die Beratungsgesellschaft Unique Retail in ihrer Analyse des ersten Quartals 2026 festhält. Der Anteil internationaler Käufer am deutschen Einzelhandelsvolumen lag damals bei rund 40 Prozent. Familienvermögen und Private-Equity-Investoren suchten nach Objekten mit Repositionierungspotenzial, während Versicherer und Pensionskassen vor allem langfristig vermietete Core-Objekte in Toplagen kauften.
Mitteleuropäische Investmenthäuser, die zu Hause weiter zukaufen und parallel westeuropäische Bestände aufbauen, ziehen aus dem Heimatmarkt Erfahrung, Netzwerke und laufende Erträge. Deutschland bietet ihnen Größe, Liquidität und ein breites Angebot an Objekten, die eine aktive Bewirtschaftung brauchen. Für den deutschen Markt kann diese Doppelstrategie zusätzliche Nachfrage gerade dort bringen, wo inländische Institutionelle zurückhaltend bleiben.
Tschechische Investoren steckten im ersten Halbjahr 2026 rund 1 Milliarde Euro in Gewerbeimmobilien in anderen Ländern Mittel- und Osteuropas, nach 1,6 Milliarden Euro im gesamten Jahr 2025, wie Knight Frank laut Radio Prag ermittelte. Weil der Heimatmarkt allein nicht genug geeignete Objekte bot, blickten Anleger nach Einschätzung von Knight Frank zunehmend auch nach Westeuropa.
BNP Paribas Real Estate traut dem deutschen Markt für 2026 insgesamt annähernd 40 Milliarden Euro zu. Den größten Schub erwartet das Beratungshaus im Schlussquartal, wenn sich nach seiner Prognose auch wieder mehr große Abschlüsse einstellen dürften.
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