Eine Kolumne von Sabine Weiskopf
‚… ohne ihre Seele zu verkaufen.‘
Die letzten Worte meiner Positionierung. Im ersten Business Coaching kurz nach meiner Entdeckung der schönen neuen online Welt.
Ich war sehr stolz auf meinen Satz. Immerhin hatte ich Stunden damit zugebracht, Nächte drüber geschlafen, ewig darin meditiert. Das alles in einem winzigen und winterlich eisigen kleinen Holzhäuschen, in dem ich vorübergehend untergekommen war nach einer radikalen Trennung. Schreiben ging meistens nur auf dem Bett unter zwei Decken mit einem großen Schal um die Schultern. Manchmal mit Mütze. Immer mit kalten Fingern.
Positionierung als einheitliche Formel. Alte Schule.
Ich hatte die Formel akkurat befolgt.
Ich hatte alles richtig gemacht.
Als ich meinen fertigen Satz vorlas, hieß es:
‚Der ist gut. Spür ich voll bei Dir. Aber das am Schluss mit dem Seele verkaufen, das ist Dein Ego, totaler Quatsch, streich das.‘
Bis heute erinnere ich mich an das Gefühl.
Sehr subtil wurde es noch ein bisschen kälter in mir.
Dann strich ich stumm die Worte aus meiner Positionierung.
Schließlich hatte ich genau dafür gebucht, oder?
Die folgenden Jahre brachten mir schnellen und großen Erfolg. Rasant steigende Umsätze bestätigten also, dass die Mentorin Recht hatte. Den leisen Hauch Kälte vergaß ich.
Die aktuelle Wirtschaftslage verlangt mehr als Formeln
Bis ich wieder auf der Suche war nach Begleitung. Meine Umsätze signalisierten Stillstand, das ganze Business lief nicht mehr wie geplant und gewünscht. Persönliches Wachstum ist einer meiner größten Werte, daher forsche ich gern in meine eigenen Wendepunkte hinein.
Ich wollte tiefer gehen.
Ich wünschte mir weiche Entspannung.
Ich war bereit.
Ich konnte niemanden finden.
Überall das selbe Muster. Überall die selbe Schablone. Überall starre Konzepte, wie Business heute angeblich funktioniert. Es war mir nicht möglich, eine der Gestalten zu buchen, die mir austauschbar und gleichgeschaltet vorkamen. Als hätte der Mensch, der ursprünglich beseelt von dem Wunsch zu helfen sein Unternehmen gegründet hatte, die Bühne verlassen.
Am meisten erschreckte mich zu erkennen, dass hinter den reichlich vorhandenen ‚female‘ oder ‚feminine‘ Slogans doch wieder Druck herrscht. Vom blumig versprochenen Fließen in weicher Weiblichkeit keine Spur.
Die große Sehnsucht vieler Unternehmerinnen in schwierigen Zeiten.
Tief verstanden habe ich durch eine neue Kundin. Sie erzählte, sie käme aus einem unerträglichen Webinar mit zu viel Geschrei und Druck und Aufbauschen. Seelenloser Einheitsbrei. Beim unschlüssigen Scrollen nebenbei sei meine Werbung aufgetaucht. Anders. Der Rest ist Geschichte.
Ich erinnerte mich an meinen Zusatz ‚… ohne ihre Seele zu verkaufen.‘
Damals verkaufte ich selbst meine Seele.
Für Reichweite. Für Umsätze. Für Ruhm.
Ich wurde zur hochkarätigen Unternehmerin anstatt zu der Heilerin, die ich im Kern bin.
Das strengte mich mehr an, als ich bereit war zuzugeben. Denn wenn wir extrem sichtbar sind, dann wird es immer schwieriger, die einmal zementierte Fremdwahrnehmung zu beeinflussen und immer unangenehmer, wenn die Wahrheit ans Licht kommt: Dass hinter der komplex strukturierten und glanzvollen Fassade eine knochenmüde Frau wohnt, die nachts kaum noch schläft und permanent überlegt, wie sie ihr Team weiter bezahlen soll.
Die akut nötige Schubumkehr. Unlogisch. Weiblich.
Wie ändern wir das?
Indem wir uns neu positionieren.
Jenseits aller Konzepte von Positionierung.
Das bedeutet, die klassischen Formeln beiseitezulegen und brutal ehrlich zu forschen:
Was will ich WIRKLICH?
Was ist mir so wichtig, dass ich mein Herzblut dafür geben will?
Wie soll mein tägliches Leben als Mensch aussehen?
Wer BIN ich, wenn sich das erfüllt?
Und dann gilt es, genau das HEUTE schon zu verkörpern.
In meinem Fall zum Beispiel sieht das so aus, dass ich Handy und Laptop erst einschalte, wenn ich Meditation und Smoothie fertig habe. Keine Termine vor 11 Uhr. Bevor ich mit irgendwas oder irgendwem in Kontakt trete, schreibe ich. Das Kreative zuerst. Zeit mit meinem Enkel ist heilig und nicht verhandelbar.
Der Strom wird erkennbar: Ich zuerst.
Keine erfolgversprechende Positionierung ohne Selbstliebe
Das geht gegen jeden konventionellen Strich. Es geht auch radikal gegen die Vernunft, wenn wir ums Überleben kämpfen und exakt dann weniger tun – raus aus dem ständigen Rennen und Jagen – anstatt mehr für mehr Umsatz.
Genau das ist der Punkt:
Nur, wenn wir uns derart unmissverständlich zum LEBEN hin positionieren. Mit allem, was uns lieb und teuer ist und mit dem sanften, menschlichen Blick auf körperliche und geistige Gesundheit. Jenseits aller Schichten von was wir glauben, wollen zu müssen. Nur dann kann das Leben sich entsprechend auf uns beziehen. Es kann nicht anders, als auf die klare Kraft zu antworten mit Möglichkeiten, Synchronizitäten und Gelegenheiten.
Positionierung als organisches Element. Neues Bewusstsein.
Eine Positionierung, die sich auf diese Art täglich verkörpert durch stimmige Handlungen, geht weit über jede oberflächliche Formel hinaus. Sie ist tief verwurzelt in persönlicher Stärke und Klarheit. Sie wird allein deshalb alle Höhen und Tiefen eines Unternehmens überstehen.
Weil sie sich natürlich entfaltet und verändert.
Weil sie der Atem ist, der alles informiert.
Das Beste daran kommt noch. Der weibliche Aspekt, den ich vermisse in den ‚feminine‘ Konzepten:
Diese Art der Positionierung schenkt massive Entspannung.
Es geht gar nicht anders.
Anders geht es nicht.
Es muss zuerst um Dich gehen.
Wenn Dein Nervensystem erkennt, dass Du wieder voll bei Dir bist und Dich kompromisslos um Deine wahren, menschlichen, weiblichen Bedürfnisse kümmerst, kann es – vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit – runterfahren.
Fast alle Frauen, mit denen ich aktuell spreche, sagen mir früher oder später leise und verunsichert: ‚Ich würd am liebsten mal drei oder sechs Monate gar nichts machen.‘
Das ist es.
Hier kannst Du Dich positionieren.
Indem Du genau das tust.
Und das Leben antworten lässt.
Stabilität durch alle Phasen. Zukunftsweisend.
Eine Positionierung ist nicht dann gut, wenn sie abholt, was Du tust, für wen oder mit wem Du es tust, wie Du es tust und was dabei rauskommt.
Eine Positionierung ist vollendet, wenn sie DICH abholt.
Weil das, was Du tust, DIR so wichtig ist.
Weil DU Dir darin zuerst wichtig bist.
Dabei geht es nicht direkt und offensichtlich um Umsatz, Reichweite und Ruhm. Es geht viel mehr um das, was Du als große Vision in Deinen Zellen trägst.
Das erfordert konsequentes Dranbleiben.
Das dauert etwas länger.
Das bringt meistens nicht sofort die Millionen.
In der anderen Waagschale:
Deine Seelenruhe.
Tief erholsamer Schlaf.
Knochentiefe Erfüllung.
Und vielleicht sogar ein paar Monate frei.
Der ‚Ego‘ Zusatz von damals?
Heute das wichtigste Element meiner Arbeit.
Ich bin kein Coach. Ich bin Heilerin. Das ist auf diesem Weg kristallin klar geworden. Als Unternehmerin sehe ich natürlich, dass mein ‚healer’s empire‘ langsamer wächst. Das ist es mir wert.
Deine Bedürfnisse + Deine Werte + Deine Vision. Das ist die neue Formel.
Am Ende sind wir also bei den tiefen Werten.
Wir sind bei einer klaren Vision.
Wir sind bei uns selbst.
Was, wenn es in der aktuellen Wirtschaftslage darum geht, dass wir uns als Frauen wieder klar weiblich positionieren?
Nicht mehr auf Schlaf verzichten, weil noch so viel zu tun ist. Nicht mehr allen alles recht machen, weil es dann so schön harmonisch ist. Nicht mehr nachplappern, was die online Szene – täglich anders, immer widersprüchlicher – sagt, weil dann der Rubel rollt. Nicht mehr überwiegend der männlichen Business Strategie folgen, weil sie sich durch Erfolg bewiesen hat. Nicht mehr im Gleichschritt durchmachen in allen Phasen und Zyklen, weil ‚the show must go on‘.
Positionierung als Erinnerung an Deine Wahrheit
Nach innen UND nach außen.
Die Interessenten und Kunden spüren das.
Rhythmus und Puls der Natur liegen uns im Blut.
Es ist gewollt, dass wir uns regelmäßig nach innen wenden.
Wir kehren – jedes Mal – stärker zurück.
Es genügt, wenn eine anfängt.
Die Flut hebt im Hafen immer alle Schiffe an.
Zwei Impulse für Deine unbestechliche Positionierung:
\ Was ist das eine, das bisher in Deinem Business Alltag keine Rolle spielt, Dich aber zutiefst erfüllt und nährt?
Fang an, es in Deine Positionierung und Deine Arbeit zu weben.
Es könnte eine exquisite USP sein.
\ Wo verrätst Du täglich ein tiefes Bedürfnis?
Wenn ich zum Beispiel meine Gänge durch den Wald streiche, dann werde ich fahrig und zerstreut und kann nicht wirklich leisten, wozu ich sonst leicht fähig bin.
Was ist es bei Dir?
Gib dem einen Termin in Deinem Kalender und halte Dich dran.
Zur Person:

Sabine Weiskopf ist Unternehmerin und Bewusstseinslehrerin. Sie begleitet Frauen dabei, wirtschaftliche Klarheit mit innerer Stabilität zu verbinden. Ihr Ansatz basiert auf der Verbindung von ökonomischem Denken und energetischer Bewusstseinsarbeit. Sie ist die Stimme einer neuen Generation von Unternehmerinnen, die Erfolg nicht über Leistung, sondern über Verkörperung und innere Ausrichtung definieren. Weitere Informationen: www.sabineweiskopf.com
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