Konflikte gehören zum Arbeitsalltag. Wo Menschen zusammenarbeiten, treffen unterschiedliche Erwartungen, Interessen und Arbeitsweisen aufeinander. In vielen Organisationen werden Konflikte jedoch erst dann ernst genommen, wenn sie sichtbar eskalieren. Zu diesem Zeitpunkt sind einfache Lösungen oft nicht mehr möglich. Gespräche scheitern, Fronten verhärten sich, und die Belastung für Beteiligte sowie für die Organisation steigt spürbar.
Ein zentrales Problem im Umgang mit Konflikten liegt selten im fehlenden Lösungswillen, sondern in der falschen Einschätzung der Situation. Führungskräfte greifen zu Maßnahmen, ohne systematisch zu prüfen, auf welchem Eskalationsniveau sich ein Konflikt befindet. Gespräche werden geführt, obwohl keine Gesprächsfähigkeit mehr besteht, oder formale Schritte werden eingeleitet, obwohl eine Moderation ausgereicht hätte. Beides führt zu Zeitverlust, Vertrauensschäden und unnötiger Eskalation.
Die Eskalationsstufen nach Glasl bieten einen klaren Bezugsrahmen, um Konfliktdynamiken realistisch einzuordnen. Sie helfen dabei, typische Signale zu erkennen, Handlungsspielräume richtig einzuschätzen und Interventionen bewusst zu wählen. Konflikte lassen sich so nicht nur bearbeiten, sondern gezielt steuern, bevor sie Organisationen langfristig schaden.
Warum Eskalationsdiagnose Zeit spart
In der Praxis werden Konflikte häufig reaktiv behandelt. Führungskräfte reagieren auf sichtbare Symptome wie Beschwerden, Spannungen oder Leistungseinbrüche. Was dabei oft fehlt, ist eine systematische Einschätzung der Eskalationsdynamik. Die Folge sind Maßnahmen, die nicht zur Situation passen.
Ein häufiger Fall: Ein Konflikt ist bereits stark emotionalisiert, Beteiligte sprechen kaum noch miteinander und suchen Unterstützung über Dritte. Trotzdem wird versucht, mit einem offenen Gespräch auf Augenhöhe zu klären. Das Gespräch eskaliert oder bleibt folgenlos. Zeit ist verloren und der Konflikt verschärft sich weiter. Umgekehrt werden frühe Spannungen manchmal mit formalen Maßnahmen beantwortet, was Misstrauen erzeugt und Eskalation erst auslöst.
Eine saubere Eskalationsdiagnose spart kostbare Zeit, weil sie unnötige Maßnahmen vermeidet, Fehlinterventionen reduziert und realistische Erwartungen an den Prozess schafft. Sie beantwortet drei zentrale Fragen. Wie gesprächsfähig sind die Beteiligten noch? Wie stark ist der Konflikt emotional aufgeladen? Welche Rolle kann Führung realistisch einnehmen?
Die Eskalationsdiagnose bewertet jedoch keine Personen, sondern beschreibt die Dynamik eines Konflikts. Diese Perspektive entlastet Führungskräfte und ermöglicht gezieltes Handeln statt Aktionismus.
Glasl kurz erklärt – ohne Theorieballast
Das Eskalationsmodell beschreibt, wie sich Konflikte schrittweise verschärfen. Mit zunehmender Eskalation verschiebt sich der Fokus von der Sache auf die Beziehung und später auf die Schädigung des Gegenübers. Parallel dazu sinkt die Fähigkeit der Beteiligten, Konflikte selbst zu lösen.
Für den Führungsalltag ist weniger relevant, jede einzelne Eskalationsstufe exakt zu benennen. Entscheidend ist das Grundprinzip: Je höher die Eskalation, desto weniger wirken freiwillige, kommunikative Lösungen. In frühen Phasen können Gespräche und Moderation wirksam sein. In späteren Phasen braucht es klare Interventionen, externe Unterstützung oder formale Entscheidungen.
Aus diesem Grund werden die neun Eskalationsstufen im Folgenden zu praxisnahen Eskalationsbereichen zusammengefasst. Diese Orientierung erleichtert die Auswahl geeigneter Maßnahmen.
Eskalationsstufen nach Glasl: Tabelle mit Signalen und Maßnahmen
Die folgende Tabelle dient als zentrales Diagnoseinstrument. Sie ordnet typische Alltagssignale ein und zeigt, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche schaden.
| Eskalationsstufe | Typische Signale im Alltag | Was jetzt hilft | Was jetzt schadet |
| Stufe 1: Verhärtung | Spannungen, unterschiedliche Sichtweisen, Diskussionen ohne Ergebnis | Klärungsgespräch, Moderation, Erwartungsklärung | Ignorieren, Bagatellisieren |
| Stufe 2: Debatte / Polemik | Rechthaben, Argumente werden schärfer, erste Abwertungen | Strukturierte Moderation, klare Gesprächsregeln | Schuldzuweisungen, Partei ergreifen |
| Stufe 3: Taten statt Worte | Gesprächsvermeidung, einseitige Entscheidungen, Rückzug | Moderiertes Konfliktgespräch, Führung greift aktiv ein | Einzelgespräche ohne Gesamtrahmen |
| Stufe 4: Koalitionen | Lagerbildung, Gespräche über Dritte, Gerüchte | Strukturierte Intervention, HR einbinden | Appelle an Einsicht oder Teamgeist |
| Stufe 5: Gesichtsverlust | Bloßstellung, Misstrauen, öffentliche Kritik | Klare Regeln, formalisierte Moderation | Informelle Klärungsversuche |
| Stufe 6: Drohstrategien | Ultimaten, Druck, Androhung formaler Schritte | Externe Mediation, klare Eskalationsentscheidung | Weiter moderieren, Unentschlossenheit |
| Stufe 7: Begrenzte Vernichtung | Schädigungsabsicht, Sabotage einzelner Bereiche | Schutzmaßnahmen, formale Verfahren | Vermittlungsversuche |
| Stufe 8: Zersplitterung | Zerstörung von Vertrauen, massive Eskalation | Trennung, rechtliche Klärung | Gespräche ohne Autorität |
| Stufe 9: Gemeinsam in den Abgrund | Eigenschädigung wird in Kauf genommen | Organisation schützen, konsequente Entscheidungen | Moralische Appelle |
Eskalationsbereiche im Detail – Führungslogik je Phase
Konflikte eskalieren nicht nur in ihrem Ton, sondern auch in ihrer inneren Logik. Mit jeder Eskalationsstufe verändern sich die Motive der Beteiligten, ihre Kommunikationsbereitschaft und ihre Erwartungen an Führung. Was in frühen Phasen durch Moderation lösbar ist, erfordert in späteren Phasen klare Intervention oder formale Entscheidungen.
Für Führungskräfte bedeutet das, dass sich die eigene Rolle im Verlauf eines Konflikts wandeln muss. Wer unabhängig von der Eskalationsdynamik immer gleich reagiert, verstärkt Konflikte oft ungewollt. Entscheidend ist daher, die Eskalationsbereiche nicht nur zu erkennen, sondern das eigene Führungsverhalten daran auszurichten.
Die folgenden Abschnitte zeigen, wie sich Eskalation in der Praxis äußert und welche Führungslogik je Phase sinnvoll ist, um handlungsfähig zu bleiben und Schaden zu begrenzen.
Frühe Eskalation: Verhärtung und Debatte
In frühen Phasen sind Konflikte noch lösungsfähig. Unterschiedliche Meinungen treffen aufeinander, Diskussionen verlaufen angespannt, aber grundsätzlich sachlich. Die Beteiligten sehen sich noch als Teil eines gemeinsamen Systems. Führungskräfte haben hier großen Gestaltungsspielraum. Durch Moderation, Strukturierung und Erwartungsklärung lassen sich viele Konflikte vollständig auflösen.
Ein häufiger Fehler besteht darin, diese Phase zu unterschätzen. Spannungen werden als normaler Reibungsverlust abgetan, obwohl sich bereits Muster verfestigen. Wird hier nicht gehandelt, rutscht der Konflikt in die nächste Eskalationsstufe.
Übergang: Taten statt Worte
In dieser Phase verändert sich das Verhalten. Gespräche werden vermieden, Informationen zurückgehalten, Entscheidungen einseitig getroffen. Der Konflikt wird nicht mehr offen ausgetragen, sondern indirekt. Führungskräfte müssen hier aktiv werden und einen klaren Rahmen setzen. Informelle Einzelgespräche reichen dabei meist nicht mehr aus.
Mittlere Eskalation: Koalitionen und Gesichtsverlust
Der Konflikt wird öffentlich. Beteiligte suchen Verbündete, Aussagen werden über Dritte transportiert, Gesichtsverlust wird als Bedrohung erlebt. Emotionen dominieren, Sachargumente treten in den Hintergrund. In dieser Phase ist Neutralität entscheidend. HR-Unterstützung kann jetzt helfen, Struktur und Fairness sicherzustellen.
Hohe Eskalation: Drohstrategien
In der Phase der Drohstrategien wird der Konflikt zunehmend strategisch geführt. Die Beteiligten setzen Druckmittel ein, formulieren Ultimaten oder drohen mit formalen Schritten. Gespräche dienen nicht mehr der Klärung, sondern der Absicherung der eigenen Position. Vertrauen ist weitgehend verloren, die Gesprächsfähigkeit stark eingeschränkt.
Für Führungskräfte bedeutet diese Phase einen Rollenwechsel. Klassische Moderation greift kaum noch. Stattdessen braucht es klare Entscheidungen, transparente Eskalationsschritte und gegebenenfalls externe Unterstützung. Ziel ist nicht mehr die vollständige Verständigung, sondern die Begrenzung weiterer Eskalation und der Schutz der Organisation.
Zerstörerische Eskalation: Schädigung
In der zerstörerischen Eskalationsphase steht nicht mehr die Lösung des Konflikts im Vordergrund, sondern die Schädigung des Gegenübers. Beteiligte nehmen eigene Nachteile in Kauf, um dem anderen zu schaden. Vertrauen ist vollständig zerstört, Kommunikation dient ausschließlich der Eskalation oder Absicherung. Eine eigenständige Konfliktlösung ist nicht mehr möglich.
Für Führungskräfte geht es in dieser Phase nicht mehr um Vermittlung, sondern um Schadensbegrenzung. Klare, formale Entscheidungen sind notwendig, um Mitarbeitende, Teams und die Organisation zu schützen. Trennung, rechtliche Schritte oder organisatorische Maßnahmen sind oft unvermeidbar, um eine weitere Eskalation zu stoppen.
Typische Warnsignale je Eskalationsbereich
Eskalation zeigt sich selten durch ein einzelnes Ereignis. Meist entwickeln sich Konflikte schrittweise und äußern sich durch wiederkehrende Verhaltensmuster. Diese Warnsignale unterscheiden sich je nach Eskalationsbereich und geben Führungskräften wichtige Hinweise auf den aktuellen Handlungsbedarf.
Frühe Eskalation (Stufe 1–2)
- Wiederkehrende Diskussionen ohne Ergebnis
- Gereizter Ton, zunehmende Ironie oder Sarkasmus
- Unterschiedliche Erwartungen werden nicht offen geklärt
- Erste Spannungen in Meetings oder Abstimmungen
Übergang zur Eskalation (Stufe 3)
- Gespräche werden bewusst vermieden
- Informationen werden selektiv weitergegeben
- Entscheidungen werden einseitig getroffen
- Zusammenarbeit erfolgt nur noch formal
Mittlere Eskalation (Stufe 4–5)
- Lagerbildung und Koalitionen entstehen
- Aussagen werden über Dritte transportiert
- Öffentliches Bloßstellen oder subtile Abwertung
- Vertrauensverlust innerhalb des Teams
Hohe Eskalation (Stufe 6)
- Ultimaten oder offene Drohungen
- Eskalation über Hierarchieebenen hinweg
- Einbindung formaler oder externer Stellen
- Starker Fokus auf Absicherung der eigenen Position
Zerstörerische Eskalation (Stufe 7–9)
- Sabotage oder gezielte Schädigung
- Rufschädigung oder massive Vorwürfe
- Eigene Nachteile werden in Kauf genommen
- Organisation und Team geraten unter Druck
Übergänge zwischen Eskalationsstufen erkennen
Besonders kritisch sind die Übergänge zwischen den Eskalationsbereichen. Der Übergang von sachlicher Debatte zu indirektem Handeln ist ein Warnsignal. Ebenso der Moment, in dem Beteiligte strategisch vorgehen und formale Hebel nutzen. Diese Übergänge entscheiden darüber, ob Konflikte stabilisiert oder weiter verschärft werden.

Führungsrolle in eskalierenden Konflikten
Mit zunehmender Eskalation verändert sich nicht nur das Verhalten der Konfliktparteien, sondern auch die Rolle der Führungskraft. Was in frühen Phasen durch Moderation und Gesprächsführung lösbar ist, erfordert in späteren Phasen klare Rahmensetzung oder formale Entscheidungen. Führung bedeutet in Konflikten, die eigene Rolle an die Eskalationsdynamik anzupassen.
In niedrigen Eskalationsstufen agiert Führung vor allem moderierend. Ziel ist es, Struktur zu schaffen, Gespräche zu ermöglichen und Erwartungen zu klären. Führungskräfte unterstützen die Beteiligten dabei, Lösungen eigenständig zu entwickeln, ohne selbst Partei zu ergreifen. Offenheit und Dialogfähigkeit stehen im Vordergrund.
Mit zunehmender Eskalation wird Führung stärker zur Rahmengeberin. Gespräche benötigen immer sehr klare Regeln, Zuständigkeiten müssen benannt und Grenzen gezogen werden. Neutralität bedeutet hier nicht Passivität, sondern aktives Steuern des Prozesses. Häufig ist es sinnvoll, HR oder andere interne Stellen einzubeziehen, um Stabilität zu sichern.
In hohen Eskalationsphasen verschiebt sich die Rolle erneut. Führungskräfte werden zu Entscheidungsträgern. Ziel ist nicht mehr Verständigung um jeden Preis, sondern Schadensbegrenzung und Schutz von Team und Organisation. Wer in dieser Phase weiterhin moderiert, wo klare Entscheidungen notwendig sind, verlängert Konflikte unnötig.
Eskalationsstufen und ihre Wirkung auf Teams
Konflikte wirken nie nur auf die unmittelbar Beteiligten. Mit zunehmender Eskalation verändern sich Arbeitsklima, Kommunikation und Leistungsfähigkeit ganzer Teams. Je höher die Eskalationsstufe, desto stärker sind die indirekten Auswirkungen und desto größer der organisatorische Schaden.
Typische Auswirkungen je Eskalationsbereich:
- Frühe Eskalation: Verunsicherung im Team, gespannte Atmosphäre, erste Irritationen in der Zusammenarbeit
- Übergang: Rückzug einzelner Mitarbeitender, sinkende Offenheit, steigende Fehleranfälligkeit
- Mittlere Eskalation: Lagerbildung, Vertrauensverlust, deutliche Leistungseinbußen
- Hohe Eskalation: Unsicherheit, erhöhte Krankenstände, Vermeidung von Verantwortung
- Zerstörerische Eskalation: Fluktuation, nachhaltige Schädigung des Teamklimas, Reputationsrisiken
Diese Entwicklung macht deutlich, dass Eskalationsdiagnose keine rein zwischenmenschliche Frage ist. Sie ist ein zentraler Faktor für Stabilität, Leistungsfähigkeit und langfristige Bindung von Mitarbeitenden.
Entscheiden: intern moderieren, HR oder externe Mediation?
Die Wahl der richtigen Intervention ist eine zentrale Führungsentscheidung. Sie entscheidet darüber, ob ein Konflikt stabilisiert wird oder weiter eskaliert. Dabei geht es nicht um persönliche Vorlieben oder verfügbare Ressourcen, sondern um eine realistische Einschätzung der Eskalationsdynamik. Jede Eskalationsstufe erfordert eine andere Form der Unterstützung.
Interne Moderation ist vor allem in frühen Eskalationsphasen sinnvoll. Führungskräfte oder interne Moderatoren können Gespräche strukturieren, Perspektiven klären und Erwartungen transparent machen. Voraussetzung ist, dass die Beteiligten noch grundsätzlich gesprächsfähig sind und bereit sind, an einer Lösung mitzuwirken. In dieser Phase kann Führung wirksam steuern, ohne formale Instanzen einzubinden.
HR-Unterstützung wird relevant, wenn Konflikte sich verfestigen oder strukturelle Fragen berühren. HR kann Neutralität sichern, Gesprächsformate stabilisieren und einen verbindlichen Rahmen schaffen. Besonders bei wiederkehrenden Konflikten, Machtfragen oder drohendem Gesichtsverlust hilft die Einbindung von HR, den Prozess zu professionalisieren und Eskalation zu begrenzen.
Externe Mediation ist dann notwendig, wenn interne Mittel nicht mehr greifen. Sie bringt Distanz, methodische Sicherheit und Neutralität. Externe Mediatoren sind vor allem bei hoher Eskalation sinnvoll, wenn Vertrauen stark beschädigt ist oder Drohstrategien dominieren. Wichtig ist, Mediation nicht als letzten Versuch einzusetzen, sondern als gezielte Maßnahme, sobald interne Lösungsfähigkeit erkennbar sinkt.
Entscheidend ist, die Intervention bewusst zu wählen und nicht aus Bequemlichkeit oder Unsicherheit hinauszuzögern. Eine zu schwache Maßnahme verlängert Konflikte, eine zu starke Intervention kann sie unnötig verschärfen. Realistische Eskalationsdiagnose ist daher die Grundlage jeder guten Entscheidung.
Häufige Fehlinterventionen bei eskalierenden Konflikten
Viele Konflikte eskalieren nicht trotz Intervention, sondern wegen unpassender Interventionen. Führungskräfte handeln häufig mit guter Absicht, unterschätzen jedoch die Eskalationsdynamik oder wählen Maßnahmen, die nicht zur aktuellen Phase passen. Das verschärft Konflikte und verlängert sie unnötig.
Ein häufiger Fehler ist zu frühes hartes Eingreifen. Formale Maßnahmen, Machteingriffe oder Drohungen in frühen Eskalationsphasen zerstören Vertrauen und erzeugen Widerstand, obwohl der Konflikt noch lösbar gewesen wäre. Ebenso problematisch ist das Gegenteil. Zu spätes Moderieren, wenn sich Fronten bereits verhärtet haben und Gesprächsfähigkeit eingeschränkt ist.
Ebenfalls kritisch sind Gespräche ohne klaren Rahmen. Unmoderierte Klärungsversuche in fortgeschrittenen Eskalationsstufen führen oft zu weiterer Eskalation, weil Vorwürfe und Emotionen ungefiltert aufeinandertreffen. Auch Neutralität an der falschen Stelle wirkt kontraproduktiv. In bestimmten Phasen braucht es klare Führung statt Ausgewogenheitsrhetorik.
Diese Fehlinterventionen entstehen selten aus Unkenntnis, sondern aus Unsicherheit oder Konfliktvermeidung. Eine bewusste Eskalationsdiagnose hilft, solche Muster zu erkennen und rechtzeitig gegenzusteuern.
Checkliste: Eskalation früh erkennen
- Gespräche drehen sich im Kreis
- Beteiligte sprechen übereinander
- Kommunikation wird indirekt oder zynisch
- Entscheidungen werden blockiert
- Emotionen nehmen zu
- Lagerbildung entsteht
- Vertrauen sinkt
- Leistung leidet
Je mehr Punkte zutreffen, desto dringender ist Intervention erforderlich.
Fazit: Diagnose vor Intervention
Die Eskalationsstufen nach Glasl sind ein praktisches Führungsinstrument. Sie helfen, Konflikte realistisch einzuschätzen und passende Maßnahmen zu wählen. Entscheidend ist nicht die exakte Stufe, sondern das Verständnis der Eskalationslogik. Wer früh diagnostiziert, kann mit wenig Aufwand viel bewirken. Wer zu spät reagiert, braucht stärkere Mittel. Bewusste Eskalationsdiagnose spart Zeit, schützt Beziehungen und sichert Arbeitsfähigkeit.
Nächster Schritt: Ordnen Sie einen aktuellen Konflikt einem Eskalationsbereich zu und prüfen Sie, ob Ihre bisherige Intervention dazu passt.
FAQ: Häufige Fragen zu den Eskalationsstufen nach Glasl
Die Eskalationsstufen nach Glasl beschreiben, wie sich Konflikte schrittweise verschärfen. Das Modell unterscheidet neun Stufen, von sachlicher Verhärtung bis zur destruktiven Eskalation. Es hilft, Konflikte realistisch einzuordnen und passende Maßnahmen abzuleiten.
Das Glasl-Modell umfasst insgesamt neun Eskalationsstufen. In der Praxis werden diese häufig zu mehreren Eskalationsbereichen zusammengefasst, um die Anwendung zu vereinfachen. Entscheidend ist weniger die exakte Stufe als die zugrunde liegende Eskalationsdynamik.
Eskalationsstufen lassen sich anhand typischer Signale erkennen, etwa Kommunikationsverhalten, Emotionalität und Machtstrategien. Je höher die Eskalation, desto weniger gesprächsfähig sind die Beteiligten. Eine systematische Beobachtung von Verhalten ist wichtiger als einzelne Aussagen.
In frühen Eskalationsstufen helfen Klärungsgespräche und Moderation. In mittleren Stufen sind strukturierte Interventionen und häufig HR-Unterstützung sinnvoll. Bei hoher Eskalation werden externe Mediation oder formale Entscheidungen notwendig.
Mediation ist sinnvoll bei mittlerer bis erhöhter Eskalation, wenn Gesprächsfähigkeit eingeschränkt, aber noch vorhanden ist. Bei sehr hoher Eskalation mit Schädigungsabsicht ist Mediation meist nicht mehr wirksam. Eine realistische Eskalationsdiagnose ist Voraussetzung.
Falsche Einschätzungen führen häufig zu Fehlinterventionen. Zu frühes Durchgreifen kann Konflikte verschärfen, zu spätes Moderieren verlängert sie unnötig. Beides kostet Zeit, Vertrauen und beeinträchtigt die Zusammenarbeit.
Passende Artikel:
1:1 Meeting Agenda: 3 Vorlagen für 15, 30 und 45 Minuten
Mitarbeiterführung optimieren: Wie einheitliche Arbeitskleidung die Unternehmenskultur stärkt
Deeskalation im Gespräch: Techniken, die sofort wirken
Feedbackgespräch Leitfaden: Regeln & Formulierungen, die wirken
Wichtiger Hinweis: Die Inhalte dieses Magazins dienen ausschließlich Informations- und Unterhaltungszwecken und besitzen keinen Beratercharakter. Die bereitgestellten Informationen waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell. Eine Garantie für Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit wird nicht übernommen, jegliche Haftung im Zusammenhang mit der Nutzung dieser Inhalte ist ausgeschlossen. Diese Inhalte ersetzen keine professionelle juristische, medizinische oder finanzielle Beratung. Bei spezifischen Fragen oder besonderen Umständen sollte stets ein entsprechender Fachexperte hinzugezogen werden. Texte können mithilfe von KI-Systemen erstellt oder unterstützt worden sein.
